Maximise Yourself

Passend zur 30 Tage Challenge Meditation eröffne ich heute eine Diskussion um Achtsamkeit. Während ich mich auf die kleine Challenge zu Anfang dieses Jahres vorbereitet habe, ist mir aufgefallen, dass Meditation heute in fast allen Lebensbereichen hilfreich sein kann. Was mich als kritischer Denker auf die Frage bringt: In welchen Bereichen des sozialen Lebens sind die Meditation und die Achtsamkeit heute verflochten? P.S. entschuldigt bitte die defekten Youtube Links, das Einbinden auf der Webseite ist heute bei WordPress leider gestört und funktioniert nicht richtig. Ich hoffe das ich es in den nächsten Tagen richten kann. Soweit alles gesagt, können wir beginnen:

youtube https://www.youtube.com/watch?v=HmEo6RI4Wvs&w=640&h=360

Was ist Achtsamkeit?

In dem Buch “Mindfulness. Diverse Perspectives on its Meaning, Origins and Applications” schreiben die Autoren J. Mark G. Williams und Jon Kabat-Zinn dass der Name Achtsamkeit an transdisziplinärer Popularität gewonnen hat. In der Psychologie, den Neurowissenschaften, im Gesundheitswesen, in der Bildung, in der Geschäftsführung und anderen großen sozialen Institutionen werden Technologien der Achtsamkeit eingesetzt. Achtsamkeit kann dabei säkular wie auch, oder ohne religiös gesehen werden. Dabei ist Achtsamkeit nach der Meinung der beiden Autoren nicht einfach nur nackte Aufmerksamkeit, nur konzeptuell Kognitiv oder  Gedanken basiert, sondern eine Aufmerksamkeit bzw. ein Bewusstsein selbst, welches durch achtsame Praxis beobachtet und transformiert werden kann.

youtube https://www.youtube.com/watch?v=CmhkmLFc74E

Ulrike Anderssen-Reuster definiert Achtsamkeit in “Achtsamkeit in Psychotherapie und Psychosomatik” als einen Prozess von nicht wertender Beachtung in Richtung des aktuellen Moments. Die Praxis der Achtsamkeit wird hier beschrieben als ein alternatives Bewusstsein einer außenstehenden Realität und einer inneren Realität. Achtsamkeit ist dabei eine bewusste Entscheidung zu dieser veränderten Wahrnehmung zwischen beiden Realitäten. Diese veränderte Wahrnehmung soll aber nicht als veränderte Realität gesehen werden. Eher ist es eine veränderte Wahrnehmung der außenliegenden Welt innerhalb des eigenen Bewusstseins und der Wahrnuehmung dieser. Die eigene Wahrnehmung kann durch Praktiken der Achtsamkeit dahin gehend verändert werden, so dass eine achtsame Realität geschaffen und konzeptualisiert werden kann, die innere Freiheit von intrapsychischen Einengungen gewährt.

“In der Achtsamkeitspraxis wird nicht das Ziel, sondern das gegenwärtige Sein fokussiert. Das aktuelle Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Bewerten und die Fülle des unmittelbaren Augenblicks werden beachtet“ (Anderssen-Reuster. 2011, 3).

Achtsamkeit wird als ein Weg beschrieben, Erfolge und Probleme aus einer neuen Perspektive zu sehen. Dabei sieht die Autorin in Achtsamkeit den Kern des Buddhismus in einer undurchbrochenen Genealogie von über 2500 Jahren um mit Weisheit und Nächstenliebe das Leiden zu durchbrechen – individuell und gesellschaftlich.

Achtsamkeit und Buddhismus

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Bhikku Bhodi (1944 als Jeffrey Block in New York geboren)

Erster Gedanke, der bei vielen dabei zuerst im Kopf blitzt ist die Verbindung zu einer der etablierten Schulen des Buddhismus. Religiöse Experten wie Bhikkhu Bodhi, ein in New York geborener und auf Sri Lanka ordinierter Mönch, schreibt über das sati (Pali) – das allgemein als Achtsamkeit übersetzt wird. Der religiöse Experte Bhikku Bodhi beschreibt die Wurzeln von sati in der Zeit des historischen Buddhas selbst. Buddha wollte Angst und Furcht überkommen. Nach Bodhi ist sati “[…] the element of watchfulness, the lucid awareness of each event that presents itself on the successive occasions of experience.”

youtube https://www.youtube.com/watch?v=XAw74kZYpCI&w=640&h=360

Michael von Brück definiert Achtsamkeit als “echte” Betrachtung oder Wahrnehumg, ohne mentale bzw. kognitive Projektion. Für ihn basiert die buddhistische Theoriekonstruktion auf der Introspektion. In anderen Worten auf der Beobachtung der eigenen Kondition und der Transformation der Beobachtung. Er besagt, dass das Selbst in der buddhistischen Philosophie kein permanentes Phänomen ist, sondern eine subtile Vergänglichkeit aller Erscheinungen. Bewusstsein ist demnach eine Selbstinterpretation eines tieferliegenden echten Bewusstseins:

“Mit dem Begriff ‚Bewusstsein‘ sei der komplexe Vorgang unterschiedlicher Austauschprozesse von Energien bzw. Informationen bezeichnet, der ein in sich vernetztes System von ständig sich neu formierenden und verändernden Wechselwirkungen darstellt“ (von Brück, 2013, 7).

drei-schlc3bcssel-1Bewusstsein wird hier als ein Resultat von Wahrnehmung und der Wahrnehmung dieser Wahrnehmung gesehen. Die Wahrnehmung selbst ist also ein Objekt durch welches der wahrnehmende Akteur ein Subjekt wird.Wahrnehung ist also ein spontaner, kreativer und über kreuz verbundener Prozess von sich dauerhaft ändernden Patterns der Wahrnehmung. Diese Erscheinungen treten so miteinander auf und korrelieren so miteinander, dass sie aus seiner Sicht rational und empirisch beobachtbar werden. Aus diesem Grund schlägt er vor, die Auffassung einer descartschen Trennung von “Material” und “Geist” als sinnlos zu betrachten. Für ihn ist Realität ein Resultat bzw, ein Prozess von Beziehungen zwischen Material und Geist aus denen alles hervorgeht.

“Dieser Prozess ist das ständige Entstehen und Vergehen von Zuständen (Bewusstseinszuständen) und solche Zustände muss es mehrere Milliarden geben“ (von Brück. 2013, 5).

Achtsamkeit und Psychotherapie

Achtsamkeit wird nicht nur von religiösen Experten genutzt, sondern auch in verschiedenen Formen von therapeutischen Maßnahmen. Die Psychologie nutzt dabei Formen der Achtsamkeit um langfrisitge Verhaltensänderungen bei Patienten zu initieren.

youtube https://www.youtube.com/watch?v=puzAe4G6uDw&w=640&h=360

jon-kabat-zinnDer behaviorale und psychosomatische Mediziner Jon Kabat-Zinn entwarf 1979 die Mindfulness-Based Stress Reduction Therapy – MBSR. Diese Technologie wurde von Zindel Segal, Mark WIlliams und John Teasdale weiter entwickelt zur Mindfulness-Based Cognitive Therapy – MBCT –  um Depressionen zu behandeln. Marsha Linehan entwickelte die Dialectic-behavioral therapy die schwere Persönlichkeitsstörungen behandelt und dabei Achtsamkeitspraxis und Zen Meditation kombiniert um mehr strukturelle ELemente in die Therapie mit einzubauen. Steven C. Hayes fokussiert mit der Acceptance and Commitment Therapy die Akzeptanz von Angststörungen. Diese Formen der Therapie sind mitunter sehr beliebt und bestimmen den alltäglichen Mainstream mit.

youtube https://www.youtube.com/watch?v=mEjm0_BRQdg&w=640&h=360

Michael von Brück bezeichnet das Gefühl eines “Ich” als eine mentale Konstruktion, er sagt, dass wir durch die Neurowissenschaft heute wissen, dass es kein Ich-Zentrum gibt. Deswegen ist ein “Ich” durch die Verknüpfung und Ordnung von Wahrnehmungen in relativ stabilen Arten der Selbst-Organisation konstruiert. Nach von Brück ist das der buddhistische Weg über das Selbst nachzudenken. Verbindet Mann oder Frau nun Bewusstsein und Achtsamkeit kann die Wahrnehmung auf Ziele ausgerichtet werden, die dem Praktizierenden passen und ihm sowie ihr ermöglichen konzentriert zu bleiben und von voreingenommenen Verhaltensweisen zu befreien. Für ihn ist die Rezeption von Achtsamkeit nicht mehr nur innerhalb eines buddhistischen Diskurses zu sehen sondern auch im Gesundheitswesen zu verwenden. Achtsamkeit ist eine Basistheorie von Wahrnehmung und Ästhetik, so von Brück.

“Da für den Menschen alle Ereignisse und Objekte im Bewusstsein repräsentiert sind, ist Achtsamkeit die Pforte des Menschen nicht nur zu sich selbst, sondern zur Welt“ (von Brück. 2013, 13).

Achtsamkeit und Geschäftsführung

Hubert Enser-Laaber und Erwin Oppermann beschreiben in “Emotionale Verkaufsintelligenz” Achtsamkeit als ein wichtiger Faktor um Waren zu verkaufen und Marketing zu betreiben. So wie die beiden Achtsamkeit beschreiben, kann Achtsamkeit Akteuren helfen ihr emotionales Leben zu kontrollieren und zu beeinflussen um eine sogenannte emotionale Intelligenz zu vergrößern. Emotionale Intelligenz wird in dieser Form bestehend aus 5 Elementen beschrieben: Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung, Motivation, Empathie und social skills. Durch die Praxis der Achtsamkeit durch Meditation kann der Akteur seine Fähigkeiten der Führung schulen, da sie die 5 Elemente der emotionalen Intelligenz verbessern sollen.

youtube https://www.youtube.com/watch?v=HeQEMe2MJ_Q&w=640&h=360

In seinem Buch “zen@work” beschreibt Williges Jäger wie Arbeitgeber und Entscheidungsträger mit der Praxis des stillen Sitzens – zazen – ihre Konzentrationsfähigkeiten verbessern und optimieren möchten. Williges Jäger argumentiert über die christliche Mystik, dass alle religiösen Traditionen miteinander verbunden seien. Er konstruiert dabei eine sogenannte Deprivationstheorie der Religion. D.h. seine Argumentation beinhaltet eine ferne Zeit, in der alle Menschen ein glückliches und erfüllendes Leben gelebt haben. Diese “Urwirklichkeit” und die damit verbunden Weisheit, die einst jeder Mensach gehabt haben soll, sei aber verloren gegangen. Dieses WIssen ist nach Jäger in jedem Menschen angelegt und muss befreit werden um ein glückliches Leben führen zu können. Das kann diskutiert werden, doch soll hier nicht Punkt der Sache sein. Wichtiger für unsere heutige Diskussion erscheint mir eine andere Sache: Jäger beschreibt wie Konzentration auf eine Sache, wie der Atem, das Bewusstsein beeinflussen kann. Dadurch, so Jäger, kann sich der einzelne von seinem “ego” trennen und hat dadurch die Möglichkeit einen undualistischen und klaren Blick auf die Welt zu erhalten.

“Die Achtsamkeit auf das Hier und Jetzt führt zu einer Öffnung in die Stille, Weite und Unendlichkeit hinein. Möglich wird so die Erfahrung der Non-Dualität – alle dualistischen Unterschiedungen von Ich und Du, Subjekt und Objekt, wahr oder falsch sind in dieser tiefen Erfahrung aufgehoben“ (Jäger 2009, 22).

youtube https://www.youtube.com/watch?v=RKj5VQ4vWJk&w=640&h=360

5. Conclusion

mindfulness_poster_UKWie wir gesehen haben ist die Praxis der Achtsamkeit kultiviert durch Meditation in unterschiedlichsten Formen anzutreffen und verbessert wie es aussieht in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen das alltägliche Leben dutzender Akteure. Dies sind hier auch nur einige wenige Beispiele um einen kleinen Überblick zu liefern. Aber auch in anderen Lebensbereichen wie z.B. Sport, Beziehung, Pflege etc. wird die Technologie der Achtsamkeit eingesetzt um das Leben von Menschen und ihrer Umwelt zu verbessern. Gibt es noch weitere Bereiche in denen euch Achtsamkeit aufgefallen ist? Was ist für euch Achtsamkeit und was ist Meditation? Hat euch Meditation und Achtsamkeit selbst schon geholfen? Hinterlasst mir einen Kommentar und wir können weiter über dieses Interessante Themengebiet diskutieren. Nächste Woche geht es dann weiter mit Buddhismus und Achtsamkeit.

Stay Tuned

Microhead

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